Aktuelles

Verdachtsabklärung bei sexuellem Missbrauch: besonnen handeln, klar kommunizieren

Wenn Fachkräfte der Hinweis erreicht, ein Kind könnte sexualisierte Gewalt erlebt haben, verändert sich der Arbeitstag schlagartig. Was jetzt zu tun ist – und was man besser bleiben lässt – war Thema des Vortrags „Vom Bauchgefühl zur fundierten Einschätzung“, den Andreas Reuter am 8. Oktober 2026 in Ilshofen gehalten hat. Die Kernbotschaft: Besonnen bleiben, Struktur nutzen – und eine Kommunikation, die das Kind schützt.

Workshop-Vorbereitung: Stühle mit den Schildern Verdachtstäter, Familie und Kind, daneben Flipchart mit dem Ablaufplan
Workshopraum in Ilshofen: Die Stühle mit den Perspektiven „Verdachtstäter“, „Familie“ und „Kind“ – der simultane Mehrperspektiven-Ansatz (SIMPA) betrachtet einen Verdacht gleichzeitig aus allen drei Sichtweisen.

Verdacht ist kein Befund

Ein Verdacht ist eine ernst zu nehmende Meldung, aber noch keine Gewissheit. Beide Fehler wiegen schwer: vorschnelles Handeln, das Unbeteiligte beschädigt – und Wegsehen, das Kinder weiteren Übergriffen aussetzt. Deshalb: Hinweise ernst nehmen, sie nicht verharmlosen – und sie nicht zu Tatsachen erklären, bevor geklärt ist, was tatsächlich bekannt ist.

Was eine gute Abklärung ausmacht

Die SIMPA-Methode: drei Perspektiven gleichzeitig

Im Zentrum stand der Simultane Mehrperspektiven-Ansatz (SIMPA) nach Dr. Katharina Maucher: Sexueller Missbrauch bildet sich auf drei Ebenen ab – beim Kind, im System und beim Verdachtstäter. Wer nur auf das Kind schaut, sieht nur einen Ausschnitt – und der führt häufig in die Irre.

Deshalb begutachten drei externe, interdisziplinäre Fachpersonen ohne Fallverantwortung dasselbe Verdachtsmaterial gleichzeitig aus allen drei Perspektiven: beim Kind etwa Schuldgefühle und Schweigen, im System ein geschlossenes Klima mit Rollenunklarheiten, beim Verdachtstäter Manipulation und Kontrolle. In drei Phasen – Materialvortrag, Diskussion mit einem Votum je Perspektive (erhärtet, nicht entkräftet, entkräftet) und Dialog – entsteht eine fundierte Einschätzung. Das Expertenteam entscheidet selbst nicht; es hilft der Fachkraft, die die Entscheidung trifft und persönlich vertritt – anders als in mancher kollegialen Beratung, in der Verantwortung diffundiert.

Wenn der Verdacht öffentlich wird

Was bleibt

Struktur schützt Kinder – und Institutionen. Wer Zuständigkeiten, Abläufe und Sprachregelungen klärt, bevor ein Fall eintritt, handelt in der Krise besonnen statt improvisiert. Genau solche Lagen trainieren wir bei Planspiel Krise: in Seminaren und Krisenplanspielen für Jugendämter, Kitas, Träger und Pressestellen. Wenn Sie Verantwortliche in Ihrem Haus gemeinsam vorbereiten möchten, sprechen Sie uns gern an.

Hilfe und Anlaufstellen